Geschichte/Historie




Zur Geschichte der Kaserne

Am 25.März 1968 hatte der Nationale Verteidigungsrat der DDR die Aufstellung von „Basiseinheiten zur technischen Sicherstellung“ im Verkehrswesen und Bauwesen der DDR sowie im Verantwortungsbereich des Ministers für Post- und Fernmeldewesen beschlossen.

Auszug:

„11. Aufbau von Organen und Basiseinheiten
(1) im Bereich des Ministeriums für Post- und Fernmeldewesen für die Fernmelde- und Funkanlageninstandsetzung
(2) im Bereich des Ministeriums für Verkehrswesen und Bauwesen für die militärische Transportführung und technische Sicherstellung der Eisenbahnlinien und Straßen des Großraumnetzes
(3) im Bereich des Ministeriums für Gesundheitswesen für die medizinische Betreuung und medizinische Sicherstellung im territorialen Bereich der Landesverteidigung.“
(Ende des Zitats)

Das Besondere daran war, daß die Formierung, Ausbildung und Führung dieser Truppenteile nicht dem Verteidigungsminister, sondern den an der Spitze der genannten Wirtschaftsbereiche stehenden zivilen Ministern übertragen wurde. Laut NVR-Beschluß hatte das MfNV lediglich Rahmenbedingungen für die Gliederung der Truppenteile, ihre personelle Sicherstellung, Ausrüstung und Bewaffnung, Ausbildung und Mobilmachung sowie für ihren Gefechtseinsatz zu erarbeiten und den beteiligten Ministerien zu übergeben.

Auszug aus den operativen Forderungen:


„ .... Die NIT des Ministeriums für Post- und Fernmeldewesen sind ihrem Charakter nach militärische Einheiten, die dem Minister für Post- und Fernmeldewesen unterstehen und zur Lösung spezieller nachrichtentechnischer Bau-, Instandsetzungs- und Betriebsaufgaben im Bereich des staatlichen Nachrichtenwesens der DDR bzw. in Abhängigkeit von der Lage, auch außerhalb des Zuständigkeitsbereiches des Ministeriums für Post- und Fernmeldewesen eingesetzt werden.“

„ .... Die NIT erwirtschaften keine Gewinne, sollen aber ihre Unterhaltung durch Erlöse aus dem volkswirtschaftlichen Einsatz selbst finanzieren. .... Dabei sollen die Einheiten nach Prinzipien der wirtschaftlichen Rechnungsführung arbeiten. Eine Produktionsfondabgabe und Nettogewinnabführung ist nicht vorgesehen.“


Im Rahmen dieser sogenannten „Operativen Forderungen“ hatte der Minister für Post- und Fernmeldewesen ein Kasernenobjekt für die von ihm zu formierenden Einheiten - anfangs ein Ausbildungs- und ein Instandsetzungs-Bataillon, später ein Regiment mit 8 Kompanien der NIT zu errichten. Interessanterweise kümmerte sich das Verteidigungsministerium weder um den Standort, die Finanzierung noch um die Projektierung und den Bau der künftigen Kaserne, alles blieb dem Postminister überlassen.

Daraufhin erteilte der Minister dem Leiter des Instituts für Post- und Fernmeldewesen in Berlin und dieser dem ihm zugeordneten Amt für Projektierung in Leipzig den Auftrag zur Projektierung und zum Bau einer Kaserne. Übrigens hat der Leiter dieses Amtes - ein hochqualifizierter Architekt - diese für ihn so artfremde Aufgabe hervorragend gelöst. Immerhin galt das Kasernenobjekt der NIT viele Jahre lang als modernste, zweckmäßigste und schönste Kaserne der NVA. Überdies hat der Architekt mit der von ihm dort realisierten Zusammenfassung des NVA-üblichen Wirtschafts- und Kulturgebäudes in einem Baukörper mit Faltschalendach sogar internationale Anerkennung gefunden.

Danach mußte ein Standort gesucht und ein bauausführender Betrieb unter Vertrag genommen werden. Aber nur wer damals die rigorose Umsetzung des vom Zentralkomitee der SED beschlossenen Wohnungsbauprogramms an verantwortlicher Stelle in der DDR erlebt hat kann ermessen, welche Probleme damit verbunden waren. Da alle Versuche scheiterten einen Standort möglichst im nahen Umfeld von Berlin zu finden, wurden die Entfernungen - Zirkelschläge um Berlin - immer weiter gestreckt. Schließlich blieb von insgesamt 16 in Aussicht genommenen Orten, Oschatz als ein kleines zwischen Leipzig und Dresden gelegenes Städtchen übrig. Beim MfNV gab es dann lediglich ein zustimmendes Kopfnicken zu der Information, daß man nach langem Suchen in Oschatz einen Standort gefunden habe und dort bauen werde.

Am 14. Oktober 1971 legte der Minister für Post- und Fernmeldewesen als Bauherr den Grundstein für die Kaserne der NIT und am 15.März 1973 wurde vom bauausführenden Wohnungsbaukombinat Leipzig das erste Gebäude der Kaserne dem Truppenteil zur Nutzung übergeben. Gesamtinvestitionssumme für den Bau der Kaserne: ca. 70 Millionen Mark der DDR (davon 45 Millionen Bauanteil). (Bilder zur Bauphase)

Das Nachrichten-Instandsetzungsregiment-2 (NIR-2) unterstand von Anfang an (1973) bis zu seiner Auflösung (1990) dem Minister für Post- und Fernmeldewesen der DDR. Lediglich die Disziplinarbefugnisse gegenüber dem Regimentskommandeur lagen beim Chef des Hauptstabes, der diese an den Chef Nachrichten delegiert hatte.

Nach dem schon zitierten NVR-Beschluß von 1968 hatte der Minister für Post-und Fernmeldewesen die Truppe aus Mitteln des Investitionsplanes der Deutschen Post aufzustellen. Demzufolge wurde auch die Kaserne in Oschatz von der Deutschen Post errichtet und 1973 fertiggestellt. Die NVA lieferte lediglich die Waffen. Die gesamte übrige Ausrüstung wurde von der Deutschen Post geplant, beschafft sowie finanziert und fiel 1990 an die Bundespost (Telekom), die nach der Wende die Kaserne eine Zeitlang als Fernmeldezeugamt nutzte.

Bis 1973 war ursprünglich die Aufstellung von zwei selbständigen Bataillonen geplant - ein Ausbildungs- und ein Fernmeldebau-Bataillon. Das ließe sich aus personellen Gründen nicht realisieren, so daß letztlich aus dem Ausbildungsbataillon mit 8 Kompanien das Regiment hervorging. Die Nachrichten-Instandsetzungstruppen (NIT) waren bis zu ihrer Abwicklung an Fernmeldebauvorhaben der Deutschen Post im Gesamtterritorium der DDR eingesetzt und arbeiteten eng mit den jeweiligen Fernmeldebauämtern der Deutschen Post in den Bezirken zusammen.

Im Mob.Fall war die Umbildung des NIR in drei Fernmelde-Instandsetzungs-Bataillone geplant, die auf festgelegten Haupttrassen des Fernmeldegrundnetzes der Deutschen Post zu Instandsetzungsaufgaben zum Einsatz gekommen wären.


Mit der Auflösung des NIR-2 im Jahre 1990 ging der gesamte Grundmittelbestand der NIT per 31.12.1989 an die Deutsche Telekom über.

Postadresse: 01.01.1973 - 02.10.1990 OSCHATZ, Lonnewitzer Straße Dienststelle: 9949 - Postfach: 12215 EH

Tarnname: Rinderherde

Quelle: Hans-Georg Kampe